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Lebenslauf5 Min. Lesezeit

Lebenslauf: Gegenwart oder Vergangenheit für die aktuelle Stelle?

Ob deine aktuelle Stelle im Lebenslauf in der Gegenwart oder Vergangenheit steht, mit einem einfachen Test, der jeden Stichpunkt klärt.

Du aktualisierst deinen Lebenslauf für eine Stelle, die du gern hättest, und kommst zu deiner aktuellen Position. Du schreibst "Leite ein Team von sechs Leuten." Die nächste Zeile handelt von dem Reporting-System, das du letztes Frühjahr aufgebaut und fertiggestellt hast. Jetzt stockst du: "baue auf" oder "habe aufgebaut"? Du bist noch in dem Job, also klingt Präsens richtig. Das Projekt ist fertig, also klingt Vergangenheit auch richtig. Du scrollst nach oben und siehst drei weitere Zeilen mit demselben Problem.

Eine Kleinigkeit, die eine Seite schnell unsauber wirken lässt. Die Lösung ist eine einzige Regel, und es ist nicht die, mit der die meisten Ratgeber anfangen.

Das Wichtigste

  • Die Zeitform richtet sich nach der Tätigkeit, nicht nach dem Job: Ist die Sache abgeschlossen, nimmst du Vergangenheit, auch in deiner aktuellen Stelle.
  • Präsens steht für das, was du jede Woche weiter tust; Vergangenheit für Ergebnisse, die schon fertig sind.
  • Beides unter einer aktuellen Stelle zu mischen ist korrekt, solange kein einzelner Stichpunkt zwei Zeitformen trägt.

Aktuelle Stelle: Präsens oder Vergangenheit?

Beides, je nach Zeile. Deine aktuelle Stelle steht im Präsens für Aufgaben, die du weiter erledigst ("Leite ein regionales Vertriebsteam"), und in der Vergangenheit für Projekte, die du schon abgeschlossen hast ("Habe das Treueprogramm eingeführt, das ..."). Frühere Stellen sind einfacher: Dort ist alles vorbei, also bleibt jede Zeile in der Vergangenheit.

Warum die Regel "aktuelle Stelle im Präsens" so oft verwirrt? Weil sie nur halb stimmt. Eine aktuelle Stelle enthält zwei Arten von Zeilen: Dinge, die du weiter tust, und Dinge, die du erledigt hast. Schreibst du den ganzen Block im Präsens, presst du deine fertigen Erfolge in eine Zeitform, die nicht mehr passt. Lies also jeden Stichpunkt einzeln und frag dich, was er beschreibt: eine laufende Routine oder ein abgeschlossenes Ergebnis.

Was ist die eigentliche Regel für die Zeitform?

Stell jedem Stichpunkt eine Frage: Ist diese Sache abgeschlossen? Wenn ja, Vergangenheit. Wenn nein, Präsens. Dieser eine Test löst das Problem mit der aktuellen Stelle, ganz ohne Tabelle, denn er ignoriert, unter welchem Job die Zeile steht, und schaut nur, ob die Arbeit fertig ist.

Eine Aufgabe, die du jede Woche machst, ist nicht abgeschlossen, also bleibt sie im Präsens: "Koordiniere den Release-Plan über drei Teams." Ein Projekt mit klarem Ende ist abgeschlossen, also kommt es in die Vergangenheit: "Habe das Team im ersten Quartal auf das neue Tool umgestellt." Beides darf unter derselben aktuellen Stelle stehen, und das sollte es auch. Recruiter lesen Vergangenheitsformen als gelieferte Ergebnisse und Präsens als deine laufende Verantwortung. Genau diesen Unterschied willst du zeigen.

Darf man Präsens und Vergangenheit in einem Job mischen?

Ja, und in deiner aktuellen Stelle solltest du das meist sogar. Viele haben Angst vor Uneinheitlichkeit. Die echte Uneinheitlichkeit ist aber, ein fertiges Ergebnis ins Präsens zu zwingen, damit es zu den Zeilen drumherum passt. Was du vermeiden musst: zwei Zeitformen in einem Stichpunkt. "Verwalte das Budget und senkte die Kosten" klingt kaputt. Halte jede Zeile in einer Zeitform.

So ordnest du es sauber: erst die laufenden Aufgaben im Präsens, darunter die abgeschlossenen Erfolge in der Vergangenheit. Das Auge wandert von "das mache ich" zu "das habe ich schon geliefert", und der Wechsel der Zeitform erledigt diese Arbeit für dich, statt wie ein Fehler auszusehen. Dieselbe Logik steckt hinter Stichpunkten, die Wirkung zeigen: deine fertigen, belegbaren Ergebnisse sind deine stärksten Zeilen, und die Vergangenheit signalisiert, dass sie erledigt sind.

Der Fehler, der deine besten Zeilen versteckt

Einen abgeschlossenen Erfolg im Präsens zu schreiben, ist der stille Fehler, der dich etwas kostet. "Steigere den regionalen Umsatz um 18 %" klingt nach einem Ziel, dem du noch hinterherläufst. "Habe den regionalen Umsatz um 18 % gesteigert" klingt nach einer Zahl, die schon steht. Gleiche Zahl, aber nur die Vergangenheit liest sich als Ergebnis, an dem man dich messen kann.

Steht ein starker, messbarer Erfolg im Präsens, sortiert das Auge des Recruiters ihn als laufende Aufgabe ein statt als Leistung, und dein bester Beleg wird überlesen. Andersherum gilt das auch: Schieb eine laufende Aufgabe nicht in die Vergangenheit, sonst klingt es, als hättest du damit aufgehört, und bei einer aktuellen Stelle wirft das eine Frage auf, die du dir sparen willst. Pass die Zeitform Zeile für Zeile an die Wirklichkeit an, dann landen deine Erfolge auch als Erfolge.

Und der deutsche Stichpunktstil?

Viele deutsche Lebensläufe kommen ganz ohne Verb aus: "Verantwortung für ein Team von sechs Personen", "Aufbau und Einführung eines neuen Reporting-Systems". Dieser Nominalstil ist sauber und üblich, und er umgeht die Zeitform-Frage komplett, weil schlicht kein Verb da ist, das eine Form braucht.

Das ist eine legitime Wahl. Du verlierst dabei aber das kleine Signal, das Verben geben: den Unterschied zwischen "läuft gerade" und "ist fertig". Wenn du mit Verben schreibst, gilt die Regel von oben, Präsens für Laufendes, Vergangenheit für Abgeschlossenes. Entscheide dich pro Stelle für einen Stil: entweder durchgehend Nominalstil oder durchgehend ganze Sätze mit Verb. Ein Mix aus "Verantwortung für ..." und "Habe ... aufgebaut" in derselben Stelle wirkt unfertig. Weitere Hinweise, was Recruiter zuerst lesen, findest du in den Lebenslauf-Ratgebern.

Kurzer Check vor dem Abschicken

Bevor du exportierst, geh einmal mit dem Test durch die Seite. Lies jeden Stichpunkt und frag: abgeschlossen oder laufend? Dann prüf, ob die Zeitform passt. Achte auf die Naht in deiner aktuellen Stelle, wo Aufgaben aufhören und Erfolge anfangen, denn dort verstecken sich die Fehler. Sorg dafür, dass keine Zeile zwei Zeitformen trägt. Und prüf, ob deine früheren Stellen durchgehend in der Vergangenheit stehen, auch die Zeile, die du nach einer Beförderung von oben übernommen hast.

Das dauert zwei Minuten und nimmt einer Personalerin einen Grund, den Lebenslauf für hingeschludert zu halten. Die Zeitform allein bringt dir keinen Job. Aber eine Seite, die das sauber löst, liest sich, als hätte jemand mitgedacht, und genau diesen Eindruck will jede andere Zeile auch machen.

Bereit, deine nächste Bewerbung zu schärfen?

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