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ATS8 Min. LesezeitVon Marcel

Schnellbewerbung: was beim Arbeitgeber ankommt

Was der Ein-Klick-Weg auf einem Jobportal an den Arbeitgeber übergibt, was dabei fehlt und woran du vor dem Absenden erkennst, wo deine Bewerbung landet.

schnellbewerbung

Bei einer Schnellbewerbung geht dein Profil auf dem Portal raus, dazu die Felder, die das Formular abfragt. LinkedIn schreibt selbst, dass passende Kenntnisse aus deinem Profil mitgeschickt werden und dass du eine gesendete Bewerbung weder bearbeiten noch zurückziehen kannst. Für Stellen, die dir wichtig sind, lohnt der Weg über die Karriereseite.

Sonntagabend, vierzig Minuten Zeit, und am Ende stehen zwölf abgeschickte Bewerbungen im Verlauf. Kein Anschreiben, kein Hochladen, kein Formular mit achtzehn Pflichtfeldern. Drei Wochen später ist keine einzige Antwort gekommen, und die unangenehmere Frage ist nicht, warum niemand geantwortet hat. Sie lautet: Was genau haben die Leute eigentlich bekommen?

Die drei Punkte, um die es geht

  • Mitgeschickt wird dein Profil, nicht deine Bewerbungsmappe. LinkedIn schreibt in der eigenen Hilfe, dass passende Kenntnisse aus deinem Profil mit der Bewerbung übermittelt werden können.
  • Zurückholen kannst du sie nicht. Wörtlich in der LinkedIn-Hilfe: „Sie können Bewerbungen, die Sie bereits über LinkedIn gesendet haben, weder bearbeiten noch zurückziehen."
  • Dieselbe Stelle gibt es oft ein zweites Mal. Ein Teil der Anzeigen wird von den Karriereseiten der Unternehmen und aus deren Systemen eingesammelt. Dann existiert daneben ein vollständiges Bewerbungsformular beim Arbeitgeber selbst.

Vorweg, damit klar ist, worauf sich der Text stützt: Aussagen über einen konkreten Portalweg stammen hier aus den Hilfeseiten des Portals selbst, und die Belegstellen sind im Text genannt. Für LinkedIn ist das öffentlich nachlesbar. Nutzt du ein anderes Portal, schau vor dem Absenden in dessen Hilfebereich, statt dich auf Ratgeber zu verlassen, die es auch nur vermuten. Wie Bewerbungssoftware eine Bewerbung weiterverarbeitet, sobald sie drin ist, sammeln wir in unseren Beiträgen über Bewerbermanagement-Systeme und ATS.

Was schickt eine Schnellbewerbung an den Arbeitgeber?

Was schickt eine Schnellbewerbung an den Arbeitgeber?

Sie schickt deine Profildaten auf dem Portal plus die Angaben, die das Formular abfragt. LinkedIn beschreibt den eigenen Weg in der Hilfe so: Die Bewerbung wird an die inserierende Person gesendet, und passende Kenntnisse aus deinem Profil können mit übermittelt werden, um deine Qualifikation hervorzuheben. Dazu kommt, was du in die zwei oder drei Felder tippst, meist E-Mail-Adresse, Telefonnummer und eine Lebenslaufdatei. LinkedIn bietet außerdem an, diese Angaben samt Lebenslauf und Antworten zu speichern und bei der nächsten Bewerbung wieder zu verwenden.

Das ist der Unterschied zur klassischen Bewerbung. Bewertet wird ein Datensatz, den du irgendwann einmal angelegt hast, und niemand hat ihn für diese Stelle angefasst. Dein Profil ist in dem Moment deine Bewerbung. Wenn dort seit zwei Jahren eine Positionsbezeichnung steht, die deine heutige Arbeit nicht beschreibt, geht die zwölfmal an einem Sonntagabend raus.

Woran erkenne ich, ob die Bewerbung auf dem Portal bleibt?

An der Beschriftung des Buttons. LinkedIn unterscheidet in seiner Hilfe zwei Wege: Bei „Einfach bewerben" läuft die gesamte Bewerbung auf LinkedIn ab, beim Button „Bewerben" dagegen „werden Sie zur Website bzw. zum Jobportal des jeweiligen Unternehmens weitergeleitet". An dieser Beschriftung hängt, in welchem System deine Bewerbung landet und welche Felder du überhaupt zu sehen bekommst.

Nimm dir die zehn Sekunden und schau nach, bevor du tippst. Führt der Weg auf die Karriereseite des Unternehmens, landest du in dessen eigenem Applicant Tracking System (ATS), meist mit Upload-Feldern für Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnisse. Bleibst du auf dem Portal, entscheidet das Portalformular, was übergeben wird. Beides kann sinnvoll sein. Blind ist nur die Variante, bei der du es nicht weißt.

Kann ich eine abgeschickte Schnellbewerbung zurückziehen?

Bei LinkedIn nein. Die Hilfe formuliert es ohne Spielraum: „Sie können Bewerbungen, die Sie bereits über LinkedIn gesendet haben, weder bearbeiten noch zurückziehen." Wer etwas ändern will, muss die inserierende Person direkt kontaktieren, also von außen um eine Korrektur bitten, die im System niemand vorgesehen hat.

Praktisch heißt das: Der falsche Lebenslauf, die veraltete Telefonnummer, die Antwort auf eine Gehaltsfrage, die du in drei Sekunden hingetippt hast, all das steht. Die Bequemlichkeit sitzt am Anfang des Vorgangs, der Preis am Ende. Genau deshalb ist die Sekunde vor dem letzten Klick die einzige Stelle, an der du noch Einfluss hast. Prüfe dort, welche Datei gerade am Profil hängt und was in den gespeicherten Antworten steht, die das Portal für dich wiederverwendet.

Warum fehlt bei diesem Weg oft das Anschreiben?

Warum fehlt bei diesem Weg oft das Anschreiben?

Weil das Portalformular kein Feld dafür vorsieht und der Arbeitgeber im deutschen Markt trotzdem oft mit einem rechnet. Die Bundesagentur für Arbeit zählt zu vollständigen Bewerbungsunterlagen „Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto sowie Zeugnisse und Bescheinigungen" und schreibt zur Portalbewerbung, dabei sei es „eher üblich, die Dokumente einzeln hochzuladen". Der Ein-Klick-Weg liefert von dieser Liste in der Regel einen Punkt.

Damit ist nicht gesagt, dass jede Stelle ein Anschreiben braucht. Viele Ausschreibungen markieren es als optional und meinen es so, und wann sich der Text lohnt, haben wir in Braucht man heute noch ein Anschreiben? auseinandergenommen. Der Punkt ist ein anderer: Über den schnellen Weg triffst du diese Entscheidung nicht. Das Formular trifft sie für dich, und zwar bei jeder Stelle gleich, auch bei der einen, für die du eine Begründung gehabt hättest.

Warum gibt es dieselbe Stelle oft direkt beim Unternehmen?

Weil ein Teil der Anzeigen auf großen Portalen dort niemand eingestellt hat. Sie wurden eingesammelt. LinkedIn nennt diese Kategorie „Basic Jobs" und schreibt in seiner Hilfe, sie würden aus Bewerbermanagement-Systemen von Partnern, aus Stellenbörsen von Partnern und direkt von den Karriereseiten einzelner Kundenunternehmen übernommen. Die Anzeige, die du im Feed siehst, ist in diesen Fällen eine Kopie.

Für dich ist das eine konkrete Option. Öffne die Karriereseite des Unternehmens und such dort nach derselben Position. Findest du sie, kannst du dich über das Formular des Arbeitgebers bewerben, mit Upload-Feldern für die Unterlagen, die du vorbereitet hast, und in dem System, in dem das Recruiting ohnehin arbeitet. Der Umweg kostet dich eine Suche und ein längeres Formular. Bei einer Stelle, für die du dir Mühe geben würdest, ist das die günstigste Investition im ganzen Vorgang.

Was unterscheidet die beiden Wege konkret?

Schnellbewerbung im Portal Bewerbung über die Karriereseite
Was übergeben wird Profildaten und Formularfelder die Dateien, die du hochlädst
Anschreiben nur wenn das Formular ein Feld dafür hat in der Regel eigenes Upload-Feld
Korrektur nach dem Absenden bei LinkedIn ausgeschlossen hängt vom System des Arbeitgebers ab
Wo die Bewerbung liegt im System des Portals im ATS des Unternehmens

Wann ist der schnelle Weg die richtige Wahl?

Wenn dir das Ergebnis wenig bedeutet und die Menge zählt. Es gibt diese Phase in fast jeder Jobsuche: Der Markt ist zäh, du willst die Zahl der laufenden Gespräche hochhalten, und ein paar Klicks sind ein vernünftiger Einsatz für eine Stelle, die du nur mitnehmen würdest. Dafür ist der Weg gebaut, und dafür funktioniert er.

Teuer wird er bei der Stelle, die du willst. Dort kostet dich der Klick die Möglichkeiten, die den Unterschied machen: einen Lebenslauf, der auf diese Anzeige zugeschnitten ist, eine Erklärung für einen Wechsel, den niemand aus deinen Stationen ableiten kann, und die Chance, einen Fehler zu korrigieren.

Für wen dieser Text nichts bringt: Wenn du in einem Feld arbeitest, in dem Recruiter dich ohnehin anschreiben und Bewerbungen eher formale Bestätigung als Auswahlverfahren sind, ist die Diskussion um Anschreiben und Karriereseite für dich zweitrangig. Dann ist dein Profil dein Bewerbungsdokument, und die Arbeit gehört dorthin.

Was prüfe ich, bevor ich auf Absenden tippe?

Vier Handgriffe, alle vier vor dem letzten Klick:

  1. Lies die Beschriftung des Buttons. Bleibt der Vorgang auf dem Portal oder wirst du auf die Seite des Unternehmens weitergeleitet?
  2. Öffne die Datei, die gerade am Profil hängt. Portale speichern deinen zuletzt genutzten Lebenslauf und schlagen ihn wieder vor. Prüfe, ob es der richtige ist und ob das Datum stimmt.
  3. Sieh dir die gespeicherten Antworten an. Alles, was das Portal aus einer früheren Bewerbung übernommen hat, geht ungeprüft mit raus.
  4. Such die Stelle einmal auf der Karriereseite. Existiert sie dort, hast du die Wahl zwischen zwei Formularen und kannst sie bewusst treffen.

Wo JobScalr passt

JobScalr sammelt Stellenanzeigen aus mehreren öffentlichen Quellen ein, darunter Adzuna, Bewerbermanagement-Boards wie Greenhouse, Workable, SmartRecruiters und Workday, Arbeitnow, die Bundesagentur für Arbeit und Remote-Jobbörsen. Du kannst eine Anzeige auch selbst per Link einfügen, etwa die Kopie, die du im Feed gefunden hast.

Für die Stellen, bei denen sich der ausführliche Weg lohnt, schneidet die App den Lebenslauf auf eine konkrete Anzeige zu und entwirft ein Anschreiben dazu. Was dabei herauskommt, ist ein Entwurf, den du liest und änderst, bevor er irgendwohin geht. Erfundene Kenntnisse baut die KI nicht ein: Fehlt etwas, das die Anzeige verlangt, fragt sie nach, statt es zu ergänzen. Abgeschickt wird nichts automatisch. Die Bewerbung reichst du selbst ein.

Häufige Fragen zur Schnellbewerbung

Ist eine Schnellbewerbung unseriös oder faul?

Nein. Sie ist ein Werkzeug mit einem engen Einsatzbereich. Problematisch wird sie erst, wenn sie zum einzigen Weg wird und auch bei den Stellen zum Einsatz kommt, für die du eine Begründung mitgeben müsstest.

Sieht der Arbeitgeber, dass ich mich schnell beworben habe?

Er sieht, welche Angaben ankommen. Ob daraus hervorgeht, über welchen Weg du gekommen bist, hängt vom System und vom Portal ab. Belegen lässt sich das von außen nicht, deshalb ist die nützlichere Frage, ob deine Unterlagen vollständig sind.

Kann ich ein Anschreiben nachreichen?

Nur außerhalb des Formulars. Bei LinkedIn ist eine gesendete Bewerbung laut Hilfe weder bearbeitbar noch zurückziehbar, du müsstest also die inserierende Person direkt anschreiben. Ob das gut ankommt, hängt vom Unternehmen ab.

Bringt es etwas, sich zusätzlich über die Karriereseite zu bewerben?

Meistens nicht. Zwei Bewerbungen auf dieselbe Stelle landen im selben ATS und erzeugen dort einen doppelten Datensatz. Entscheide dich vor dem Absenden für einen Weg, statt hinterher nachzubessern.

Warum bekomme ich auf Schnellbewerbungen häufiger keine Antwort?

Belastbare Zahlen dazu gibt es öffentlich nicht, deshalb steht hier keine Quote. Was sich benennen lässt: Über diesen Weg bewerben sich mehr Menschen pro Anzeige, und dein Datensatz konkurriert ohne Anschreiben und ohne Zuschnitt auf die Stelle. Beides schwächt die Bewerbung, unabhängig davon, wie viele es genau sind.

Was ist mit Portalen, die nicht LinkedIn sind?

Die Grundfrage bleibt dieselbe: Was übergibt das Formular, und wo liegt die Bewerbung danach? Die Antwort steht im Hilfebereich des jeweiligen Portals. Du liest ihn einmal, und er gilt danach für jede Bewerbung, die du dort abschickst.

Schärfe deine nächste Bewerbung.

Sieh ehrlich, wie gut du zur Stelle passt, bevor du abschickst, und pass Lebenslauf und Anschreiben genau darauf an. Deine erste Analyse ist kostenlos.

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Bring das in deine nächste Bewerbung ein.

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