Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, auch spät im Jahr
Was in eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz gehört, worauf Ausbildungsbetriebe bei der Auswahl achten und warum eine Bewerbung im September selten zu spät kommt.
Was in eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz gehört, worauf Ausbildungsbetriebe bei der Auswahl achten und warum eine Bewerbung im September selten zu spät kommt.

Eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz besteht aus Anschreiben, tabellarischem Lebenslauf und den letzten Schulzeugnissen. Im Anschreiben trägt ein Satz über ein Praktikum weiter als jede Motivationsfloskel, weil er zeigt, dass du den Beruf im Alltag kennst. Zu spät bist du selten: Ende August 2026 waren laut Bundesagentur für Arbeit noch 116.000 Ausbildungsstellen unbesetzt.
Das Abschlusszeugnis liegt seit Juli in der Schublade. An der Berufsschule hat das neue Ausbildungsjahr Anfang September angefangen, nur ohne dich. In deinem Umfeld sagen inzwischen die meisten denselben Satz: Für dieses Jahr ist es gelaufen, versuch es im nächsten Sommer noch einmal.
Die eigenen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sagen etwas anderes. Ende August 2026 waren bundesweit 116.000 gemeldete Ausbildungsstellen unbesetzt, während 102.000 Bewerberinnen und Bewerber weder eine Stelle noch eine Alternative gefunden hatten. Rechnerisch stehen also 14.000 Plätze mehr offen, als es Suchende gibt.
Was du zu diesem Thema findest, sind trotzdem fast nur Musteranschreiben. Sie erklären dir den Briefkopf, die Betreffzeile und drei Absätze Aufbau. Was in den Betrieben passiert, die diese Briefe bekommen, steht dort nicht. Genau da fängt dieser Text an.
Das Wichtigste vorab

Drei Dinge: ein Anschreiben auf einer Seite, ein tabellarischer Lebenslauf und dein letztes Schulzeugnis. Dazu kommt alles, was du an Praktikumsbescheinigungen, Ferienjobs und Teilnahmebescheinigungen vorzeigen kannst. Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland üblich, Pflicht ist es nicht.
Beim Zeugnis gibt die Bundesagentur für Arbeit auf ihrer eigenen Bewerbungsseite einen Hinweis, den die Musterportale auslassen. Eine Berufsberaterin rät dort, neben dem letzten Zeugnis auch das vorletzte oder vorvorletzte beizulegen, wenn es besser war als das aktuelle. Ein schwaches Abschlusszeugnis nach einem starken Jahr davor liest sich dann als Ausrutscher.
Die Reihenfolge der Mappe ist Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Bescheinigungen. Wie die drei Teile zusammenspielen und wer welchen Teil zuerst liest, steht ausführlicher in unserer Rubrik zu Anschreiben. Den Aufbau einer kompletten Bewerbung haben wir in Wie schreibt man eine Bewerbung auseinandergenommen.
Auf Hinweise darauf, dass du durchhältst. Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026, für die zwischen dem 11. und 29. Mai 2026 genau 14.058 Unternehmen geantwortet haben, zeigt ein Bild, das sich mit "viele Bewerber, wenige Plätze" nicht deckt. Rund jeder zweite Betrieb konnte 2025 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Von den Betrieben mit Besetzungsschwierigkeiten nennen rund zwei Drittel fehlende geeignete Bewerber als Grund.
Was ihnen fehlt, benennt dieselbe Umfrage: Jeder zweite Ausbildungsbetrieb stellt weitverbreitete Schwächen beim Arbeits- und Sozialverhalten fest, rund vier von zehn Unternehmen sehen Defizite in Mathe, Deutsch oder wirtschaftlichem Grundwissen.
Für dein Anschreiben folgt daraus etwas Konkretes. Der Betrieb sucht ein Indiz. Jemand, der schon zwei Wochen in einer Werkstatt stand und trotzdem wiederkommen will, beantwortet die Sorge der Personalabteilung besser als jede Aufzählung von Eigenschaften.
Du schreibst über das Konkreteste, was du vom Beruf bisher gesehen hast. Ein Ausbildungsbetrieb erwartet von einem Schulabgänger keine Berufserfahrung. Er will wissen, ob du eine Vorstellung davon hast, wie ein normaler Arbeitstag in diesem Beruf aussieht. Vier Schritte reichen für die Seite:
Der Unterschied in der Praxis sieht so aus. Floskel: "Ich bin motiviert, zuverlässig und arbeite gern im Team." Beleg: "In meinem zweiwöchigen Praktikum in einer Spedition habe ich jeden Morgen die Wareneingänge im Lagersystem erfasst. Dass jede Palette gescannt sein muss, bevor der nächste Lkw an der Rampe steht, hat mir den Beruf erst erklärt."
Die zweite Fassung ist nicht die schönere. Sie ist die einzige, die kein anderer Bewerber genauso schreiben kann.
Im Regelfall etwa ein Jahr vor dem Ausbildungsbeginn. Die Bundesagentur für Arbeit rät auf ihrer Seite zum Bewerbungsprozess, nach dem Jahreszeugnis der vorletzten Klasse zu starten. Für größere Unternehmen nennt sie rund 18 Monate Vorlauf, für Banken und Versicherungen beginnt die Bewerbungsphase noch früher.
Das ist der eine Zeitpunkt. Der zweite wird in den Ratgebern selten erwähnt, obwohl er jedes Jahr wiederkommt: das Fenster zwischen Juni und dem Herbst, in dem Betriebe ihre unbesetzten Plätze nachbesetzen. Diese Plätze sind keine Resterampe. Sie entstehen, weil ein zugesagter Bewerber den Vertrag nicht angetreten hat, weil ein Ausbildungsverhältnis in der Probezeit endete oder weil im Frühjahr niemand Passendes da war.
Wer im Mai mit der Suche anfängt, hat den ersten Zeitpunkt verpasst und steht im zweiten oft besser da als im Januar. Die Konkurrenz um diese Stellen ist dünn, weil der Großteil des Jahrgangs zu diesem Zeitpunkt schon aufgehört hat zu suchen.
Nein, jedenfalls nicht grundsätzlich. Das Berichtsjahr der Ausbildungsmarktstatistik beginnt am 1. Oktober und endet am 30. September des Folgejahres. Zu ihrer Augustbilanz 2026 schreibt die Bundesagentur für Arbeit wörtlich: "Bis zum Ende des Berichtsjahres am 30. September ist der Ausbildungsmarkt noch in Bewegung." Die Nachvermittlung über Agenturen und Kammern läuft danach weiter, und ein Ausbildungsbeginn im Oktober oder November ist möglich.
Die Einschränkung gehört dazu, sonst wird aus der Zahl eine falsche Beruhigung. Die 14.000 Plätze Überhang sind eine bundesweite Summe. Die DIHK nennt die Ursache in ihrer Umfrage qualifikatorische, regionale und berufliche Passungsprobleme. Übersetzt: Die offenen Stellen liegen nicht unbedingt in deinem Wunschberuf und nicht unbedingt in deiner Stadt. Frei bleibt vor allem das, was schon im Frühjahr niemand besetzen konnte.
Deine Stellschrauben sind deshalb der Radius und die Berufsgruppe, nicht der Kalender.
Das Angebot ist kleiner geworden, die Nachfrage leicht gewachsen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte bis August 2026 insgesamt 451.000 gemeldete Ausbildungsstellen, 32.000 weniger als im August 2025. Gleichzeitig hatten sich 433.000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, 4.000 mehr als im Vorjahr. Der Überhang an offenen Stellen besteht also weiter, er ist nur dünner als zuletzt.
Das erklärt eine Erfahrung, die viele persönlich nehmen: mehr Bewerbungen pro Zusage als bei den Jahrgängen davor. Ein Teil davon ist Marktlage. Praktisch folgt daraus nur eines, nämlich die Zahl der Bewerbungen von vornherein höher anzusetzen. Wer im Herbst drei Briefe schreibt und danach aufhört, zieht aus zu wenigen Versuchen einen Schluss über sich selbst.
An vier Stellen, die alle kostenlos sind. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kennt die gemeldeten Stellen und organisiert die Nachvermittlung; sie berät auch, wenn du die Schule längst verlassen hast. Dieselben gemeldeten Stellen stehen in der Stellensuche der Bundesagentur zum Selbstdurchsehen.
Dazu kommen die Lehrstellenbörsen der Kammern, und hier hinken viele Ratgeber hinterher. Die bundesweite Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern läuft heute unter meine-ausbildung-in-deutschland.de; dort stehen laut IHK ständig rund 40.000 offene Ausbildungsplätze und duale Studiengänge. Das Handwerk hat sein eigenes Verzeichnis, das Lehrstellenradar der Handwerkskammern. In beiden findest du Plätze aus Betrieben, die keine Personalabteilung haben und deshalb nie in einem Jobportal auftauchen.
Der vierte Weg ist die direkte Frage. In Branchen mit Besetzungsproblemen ist ein Anruf bei einem Betrieb, der gar keine Anzeige geschaltet hat, kein Fehlgriff. Ob eine Stelle öffentlich ausgeschrieben ist, hängt in kleinen Betrieben oft daran, ob jemand die Zeit hatte, die Anzeige zu schreiben.

Einen Berufsausbildungsvertrag nach dem Berufsbildungsgesetz. Für ihn gelten die Regeln des Arbeitsvertrags nur eingeschränkt: Nach § 10 Abs. 2 BBiG sind sie anzuwenden, "soweit sich aus seinem Wesen und Zweck und aus diesem Gesetz nichts anderes ergibt". Der Zweck ist die Ausbildung, und daraus folgen ein paar Rechte, die ein normaler Arbeitsvertrag nicht kennt.
Der Inhalt muss nach § 11 BBiG unverzüglich nach Vertragsschluss festgehalten werden, spätestens vor Beginn der Berufsausbildung. Hineingehören unter anderem Art, Gliederung und Dauer der Ausbildung, der Beginn, die tägliche Ausbildungszeit, die Dauer der Probezeit, die Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung, der Urlaub und die Voraussetzungen für eine Kündigung. Fehlt einer dieser Punkte, frag nach, bevor du unterschreibst.
Die Probezeit muss nach § 20 BBiG mindestens einen Monat dauern und darf höchstens vier Monate betragen. In dieser Zeit können beide Seiten nach § 22 Abs. 1 BBiG jederzeit ohne Einhaltung einer Frist kündigen. Das gilt in beide Richtungen und ist einer der Gründe, warum im Herbst wieder Plätze frei werden.
Ein Punkt betrifft nur Minderjährige und wird oft erst zwei Tage vor dem Start bemerkt: Nach § 32 JArbSchG darf ein Jugendlicher beim Eintritt ins Berufsleben nur beschäftigt werden, wenn er innerhalb der letzten 14 Monate ärztlich untersucht wurde und dem Arbeitgeber eine Bescheinigung darüber vorliegt. Den Termin machst du also vor dem ersten Arbeitstag aus.
Für schulische Ausbildungen. Berufe wie Erzieherin, Physiotherapie oder Logopädie werden an Fachschulen unterrichtet, die eigene Bewerbungsfristen und einen eigenen Schuljahresrhythmus haben. Eine Nachvermittlung über die Kammern greift dort nicht, weil kein Betrieb den Platz vergibt.
Auch wenn du auf einen einzelnen, stark nachgefragten Beruf festgelegt bist, hilft das späte Fenster wenig. Was im September noch offen ist, liegt überwiegend in den Berufen, die schon im Frühjahr Besetzungsprobleme hatten. Wenn deiner nicht dazu gehört, ist der ehrlichere Plan eine frühe Bewerbung für den nächsten Jahrgang, dazu ein Praktikum im Wunschberuf, das dir die eine Zeile verschafft, die deinem Anschreiben gerade fehlt. Wie du bis dahin einen Lebenslauf füllst, in dem noch keine Stelle steht, haben wir in Lebenslauf ohne Berufserfahrung beschrieben.
Eine Anmerkung noch: Jobscalr wird von Marcel gebaut, der 2004 selbst mit einer Ausbildung zum IT-Kaufmann angefangen hat. Der duale Weg ist hier aus eigener Erfahrung bekannt.
Eine Seite, und die muss nicht voll werden. Drei bis vier kurze Absätze reichen: warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, was du schon vom Beruf gesehen hast, wann du anfangen kannst. Zwei Seiten liest bei einer Ausbildungsbewerbung ohnehin kaum jemand zu Ende.
Das letzte Halbjahres- oder Jahreszeugnis, das du hast. Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit empfiehlt zusätzlich ein früheres Zeugnis, falls es besser ausfiel. Das Abschlusszeugnis reichst du nach, sobald es vorliegt; darauf wartet kein Betrieb mit der Einladung.
Ja, und bei einer späten Suche ist es sogar der übliche Weg. Jedes Anschreiben muss dann aber zum jeweiligen Beruf passen. Ein Text, der für Lagerlogistik und Bürokommunikation gleichermaßen funktioniert, beantwortet für beide Betriebe die entscheidende Frage nicht.
Ja. Der 30. September ist der Stichtag der Ausbildungsmarktstatistik, und Verträge werden bis in den Herbst hinein geschlossen. Sprich den Betrieb direkt auf den Starttermin an. Der Vertragsinhalt muss nach § 11 BBiG ohnehin vor Beginn der Ausbildung festgehalten sein.
Geh zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit, sie ist kostenlos und kennt die gemeldeten Stellen deiner Region. Nimm deine Unterlagen mit. Häufig liegt der Grund weniger im Anschreiben als im Zuschnitt: Wunschberuf und das, was vor Ort ausgebildet wird, gehen auseinander.
Nein. Er ist im Berufsbildungsgesetz eigens geregelt; Arbeitsrecht gilt nach § 10 Abs. 2 BBiG nur, soweit sich aus Wesen und Zweck der Ausbildung nichts anderes ergibt. Praktisch heißt das: feste Probezeitgrenzen (§ 20 BBiG), Pflichtinhalte im Vertrag (§ 11 BBiG) und eigene Kündigungsregeln (§ 22 BBiG).
Schärfe deine nächste Bewerbung.
Sieh ehrlich, wie gut du zur Stelle passt, bevor du abschickst, und pass Lebenslauf und Anschreiben genau darauf an. Deine erste Analyse ist kostenlos.
Bring das in deine nächste Bewerbung ein.
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